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Jugendwohlfahrt

Unser neuestes Positionspapier von Februar 2008 hier zum Download und auch gleich zum Nachlesen:

Das Netzwerk Kinderrechte Österreich fordert effektiven Kinderschutz als „Nationale Anstrengung“!

Die Serie von schwerer Vernachlässigung von Kindern, körperlichen Misshandlungen bis hin zu den Fällen, in denen Kinder an den Folgen der ihnen zugefügten Gewalt sterben, schockiert. Dringender Handlungsbedarf ist gegeben!

Wir weisen auf die einschneidenden gesellschaftlichen Veränderungen hin, wodurch es vielen Eltern – aus verschiedenen Gründen – nicht oder nur mit größter Anstrengung gelingt, für die körperlich und seelisch gesunde Entwicklung ihrer Kinder zu sorgen.

Die Politik -  die staatlichen Einrichtungen und die Zivilgesellschaft - sind aufgerufen, den entwürdigenden Kreislauf sozial benachteiligter Kinder zu durchbrechen, um allen Kindern den Schutz und die Unterstützung zu garantieren, die von der  UN-Kinderrechtekonvention verlangt werden.

Vorschläge für punktuelle Anlassgesetzgebung sind der falsche Weg. Eine undifferenzierte Anzeigepflicht etwa würde das Gegenteil bewirken – nämlich eine Verschlimmerung der Situation von Kindern die Gewalt erleben, da eine Nicht-Inanspruchnahme ärztlicher Versorgung droht. Es bedarf eines Gesamtpaketes!

Ein tragfähiges soziales Netzwerk für Kinder muss in Österreich etabliert werden:
- Wandel im System der Jugendwohlfahrt
- Österreichweite Qualitätsstandards in der Jugendwohlfahrt
- Soziale Arbeit: Beziehungsarbeit und Kontrollfunktion:
Zeit für direkten Kontakt mit den Familien muss in den Vordergrund treten vor Verwaltung und bürokratischen Aufgaben. Dazu bedarf es einerseits einer stärkeren Gewichtung des Präventionsauftrages und andererseits eines klaren Bekenntnisses zur Kontrollfunktion der Jugendwohlfahrt.

Kinderrechte sind ein starker Präventionsfaktor!

Wir brauchen eine offensive Kinderrechtepolitik im Sinne der Kinderrechte-Konvention der Vereinten Nationen! Kinder, die als Mitmenschen und Rechtspersönlichkeiten wahrgenommen werden, sind besser vor Gewalt geschützt! Es geht um einen Systemwandel!


Zur Jugendwohlfahrt in Österreich allgemein:

Zum Stichtag 31.12.06 waren österreichweit etwa 27.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von den Leistungen der öffentlichen Jugendwohlfahrt betroffen. Ein paar von ihnen nehmen das Ferienprogramm der Jugendwohlfahrt in Anspruch, die meisten sind auf aufgrund bereits erlebter oder drohender Kinderrechtsverletzungen auf Therapien, Beratung und Unterstützung ihrer Eltern durch die Jugendwohlfahrt angewiesen.

1/5 davon können nicht zu Hause bei ihren Eltern bzw. Ursprungsfamilien aufwachsen. Sie leben in Pflege- oder Kinderdorffamilien, in Heimen, Krisenzentren, schlafen in Notschlafstellen oder haben einen Platz in pädagogischen Kinder- und Jugendgruppen. Entweder wird dies gerichtlich angeordnet oder freiwillig, in der Regel mit einem faktischen Druck, mit den Eltern vereinbart.

Verschiedenste Umstände (Armut, Gewalt, Krankheit, Missbrauch etc.) und unterschiedlichste Motive führen dazu, dass der Österreichische Staat oder Personen und Organisationen der Zivilgesellschaft dieser Gruppe von jungen Menschen und deren Familien helfen. Im Mittelpunkt könnte eine geglückte Kindheit stehen.

Die Konvention über die Rechte des Kindes verpflichtet jedenfalls im Rahmen eines weltweiten Vertrages die Republik Österreich (Bund und Länder) und die damit für sie handelnden staatlichen Organe zu diesen Hilfen. Die öffentlichen Verpflichtungen gegenüber Kinder und Jugendliche im Bereich Jugendwohlfahrt: betreffen insbesondere die Artikeln 3, 9, 16, 18, 19, 20, 21, 22, 25, 39, 40 mit folgenden Inhalten:
  • Recht des Kindes auf qualitätsgesicherte Kindereinrichtungen & sowie auf deren Kontrolle;
  • Recht des Kindes auf ein Leben mit seinen Eltern;
  • Recht des Kindes auf sein Privatleben;
  • Recht des Kindes auf Entwicklung;
  • Recht des Kindes auf Prävention vor schlechter Behandlung (Gewalt, Missbrauch, Armut, Ausbeutung etc);
  • Recht des Kindes auf besonderen Schutz und Beistand des Staates, wenn es aus seiner familiären Umgebung herausgelöst ist;
  • Recht des Kindes auf strenge ausschließlich an seinem Wohl orientierte Adoptionsregelungen;
  • Recht des behinderten Kindes auf Integration;
  • Recht des untergebrachten Kindes  auf regelmäßige Überprüfung der Unterbringung;
  • Recht des Kindes als Opfer von Gewalt und Ausbeutung auf vollständige Rehabilitation;
  • Recht des Kindes als Straftatverdächtige/r auf ein faires und dem Alter entsprechendes Verfahren.
In den siebziger Jahren hieß es noch:
"Wenn du schlimm bist, kommst Du ins Heim oder ich hole die Fürsorgerin!"
Eine echte Horrorvorstellung für jedes Kind.

Vieles hat sich in der öffentlichen Jugendwohlfahrt zum Besseren der Kinder und Jugendlichen verändert, einiges liegt noch im Argen und wollen wir verändert haben. Dazu aktuell die nächsten Punkte:
  • Rechtsanspruch auf Leistungen der Jugendwohlfahrt
  • Verstärktes gesetzliches Präventionsgebot 
  • „Jugendwohlfahrtsmilliarde“
  • Begrifflichkeiten im Jugendwohlfahrtsgesetz NEU und kinderfreundlich zu überarbeiten
  • § 15a B-VG Vereinbarung über die Vereinheitlichung der Verwaltungspraxis der öffentlichen Jugendwohlfahrt, damit es zu keinen Diskriminierungen kommt.
  • Klare Kriterien und Begründungsverpflichtung bei Unterbringung und Rückführung von Kindern bzw der Gewährung bzw Verwährung von Jugendwohlfahrtsleistungen - Problematik: Zwitterstellung des öffentlichen Jugendwohlfahrtsträgers, einerseits Behörde andererseits Servicestelle - Gesetzliche und verwaltungsrechtliche Transparenz! Weitere Lösungsansätze noch zu überdenken.
  • Rechtliche Position (Partizipationsprinzip verankern) des Kindes jugendwohlfahrtsrechtlich definieren.
  • Generelle Aufhebung der Kostentragungspflicht der Kinder
  • Ausdehnung der Jugendwohlfahrtzuständigkeit auf alle jungen Menschen bis zum 27.Lebensjahr.
  • Wahrnehmung der Jugendwohlfahrt als Querschnittsmaterie 
  • Einbeziehung von Betroffenen (Kinder, Jugendliche) bei der Erarbeitung eines neuen Gesetzes
  • Klare Regelung des Verschwiegenheitsgebotes und der Meldepflicht
  • Neuregelung der Fach- Pflege- und Missbrauchsaufsicht, die im Sinne der UN-KRK auch greift. Klare hoheitliche Kontrollaufgabe! 
  • Aufnahme des Gebots den kindlichen Zeitfaktor bei allen Entscheidungen zu berücksichtigen.
Über zukünftige Verbesserungen zum Wohle der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Sinne der Kinderrechtskonvention und entsprechende Aktivitäten des Netzwerks Kinderrechte halten wir Sie am Laufenden.

Alexandra Murg-Klenner, SOS-Kinderdorf
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