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Jugendgerichtsbarkeit

Jugendliche wachsen in einer Risikogesellschaft auf.
Die Lebenswirklichkeiten von Kindern und Jugendlichen polarisieren sich zunehmend.
Während viele der Mittelschicht zuzuordnenden Jugendlichern frei von materiellen Sorgen sind, bleiben andere von zentralen Lebensidealen ausgeschlossen.
Ihre Kindheit ist geprägt von demotivierenden Erfahrungen im Elternhaus, in der Schule und durch geringe Chancen auf einen Lehr- bzw. Arbeitsplatz.
Aber auch immer mehr sozial gut integrierte Kinder und Jugendlichen sind gefährdet in delinquente Handlungen zu geraten: Gewalt in der Familie, mangelnde soziale Kompetenzen, Scheidung der Eltern, Kinder- und Jugendarmut, Ausschluss von jugendlichen Asylwerbern vom Arbeits- und Bildungsmarkt, Verschärfung von Gesetzen (Drogen).

Studien zeigen, dass die Kriminalbelastung im Jugendalter bei den 16- bis 20-Jährigen ihren Höhepunkt hat – die so genannte Adoleszenzkrise. Delinquenz im Jugendalter (kleinere Diebstähle, Vandalismus, …) ist fast schon - so könnte man sagen - normal geworden.
Diese Art der Delinquenz wird mit hoher Wahrscheinlichkeit im frühen Erwachsenenalter wieder aufgegeben.
Damit wird deutlich wie wichtig Prophylaxe und ein liberaler Strafvollzug ist.

Das Jugendgerichtsgesetz kennt viele Möglichkeiten auf die „normale“ Jugendkriminalität zu reagieren – klar sollte uns allen jedoch sein, dass die Anwendung des Strafrechtes das am wenigsten geeignete Mittel ist – sieht man von der Sicherung der Gesellschaft bei schwersten Verstößen ab.

2003 wurde der Jugendgerichtshof entgegen der Warnung vieler Profis aufgelöst und damit ein erfolgreiches Modell der Einheit aus jugendwohlfahrts-, pflegschafts- und strafrechtlicher Kompetenz.

Forderungen:
  • Jugendgerichtshof neu 
  • Überlegungen, das Jugendgerichtsgesetz bis 21 Jahre anzuwenden und Überlegungen, ein eigenes Gesetz für junge Erwachsene bis 24 Jahre zu schaffen
  • Qualifikation der MitarbeiterInnen der Jugendgerichtsbarkeit
  • Schulische und berufliche Qualifikationen
  • Beschäftigung der Jugendlichen
  • Psychologisch-medizinische Behandlung, da viele der Jugendlichen traumatisiert sind bzw. auch andere psychische Probleme haben. Was soll mit ihnen passieren? Sie sind eigentlich krank und haben aus Krankheitsgründen delinquente Handlungen gesetzt.
  • Offener Wohngruppenvollzug mit Training von sozialen Kompetenzen – Erlernen lebenspraktischer Fähigkeiten
  • Sprachkurse
  • Sozialpädagogisches Personal
  • Spezielle Angebote für jugendliche Sexualstraftäter
  • Sport
  • Projekte – Zeitung, Feste, Kunst
  • Maßnahmen zur U-Haftvermeidung – Angebote in betreuten Wohnungen, Wohngemeinschaften außerhalb der Anstalt und Betreuung durch Sozialarbeit– bei minderschweren Fällen sowie für den Entlassungsvollzug
  • Einführen von gewissen basisdemokratischen Strukturen im Vollzug
  • Vertrauensbeamte
  • Maßnahmen zur Vermeidung von Übergriffen
  • Bauliche Vorkehrungen – keine 6-8 Personen-Zellen
  • Mehr bedingte Entlassungen
  • Vorbereitung auf die Freiheit
  • Nachbetreuung
Monika Pinterits, Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien
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