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20 Jahre Kinderrechte in Österreich

Gewalt an Kindern und Jugendlichen bleibt Alltagsrealität

Am 5. September 1992 trat die UN-Kinderrechtskonvention in Österreich in Kraft. Seit 20 Jahren sind Kinderrechte Teil der österreichischen Rechtsordnung, ursprünglich auf Stufe eines einfachen Bundesgesetzes, seit 16. Februar 2011 auch zum Teil in der Verfassung. Das Netzwerk Kinderrechte Österreich – www.kinderhabenrechte.at – hat vier ExpertInnen aus dem Kreis seiner 36 Mitgliedsorganisationen die Frage gestellt, was sich in „20 Jahren Kinderrechte in Österreich“ aus ihrer Sicht für Kinder und Jugendliche geändert hat:

Mag. Christine Winkler-Kirchberger, Kinder- und Jugendanwältin Oberösterreich
„Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist auch nach 20 Jahren Kinderrechten leider Alltagsrealität. Kinderschutz- und Opferschutzgesetze haben sich zwar gut entwickelt in Österreich, im tatsächlichen Leben der Kinder und Jugendlichen sind sie aber noch nicht angekommen. Auch bemerken wir bedenkliche Tendenzen, dass Gewalt wieder verharmlost oder als legitimes Erziehungsmittel verteidigt wird. Umso wichtiger ist es in einer Zeit, wo Orientierungsmuster fehlen und die Anforderungen immer größer werden, Eltern zu stärken, ihre Verantwortung in der Erziehung wahrnehmen zu können, ohne Gewalt und mit Respekt.“

Mag. Helmut Sax, Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte
„Die Verankerung der Kinderrechte in der Verfassung im Jahr 2011 war zweifellos ein bemerkenswerter Schritt. Allerdings hat es 18 Jahre gedauert, seit einer ersten entsprechenden Entschließung des Nationalrats aus dem Jahr 1994. Und leider setzt das „Bundesverfassungsgesetz über den Schutz der Rechte des Kindes“ weder die Kinderrechtskonvention vollinhaltlich um, noch wird sein Potential in der Rechtsanwendung - in Gesetzgebung, Verwaltung, Justiz - genutzt.“

Mag. Daniela Gruber-Pruner, Österreichische Kinderfreunde
„Es ist gut, dass es die Kinderrechte bei uns gibt. Mitbestimmung ist keine Worthülse mehr, es finden vielmehr dank engagierter PädagogInnen eine Menge Projekte im schulischen als auch im außerschulischen Bereich statt, in denen mit Kindern gemeinsam geplant, entwickelt und Veränderungen erreicht werden. Nur ein Beispiel von vielen ist eine von Kindern, Eltern und LokalpolitikerInnen erarbeitete Verkehrsberuhigung rund um einen Kindergarten in Tirol. Im Idealfall erfahren sich Kinder und Jugendliche dadurch als ernstgenommen und lernen, dass es etwas bringt, sich selbst aktiv zu engagieren.“

Mag. Bernhard Seidler, Kinderbüro – Die Lobby für Menschen bis 14
„Die Kinderrechte sind mit Sicherheit die Basis dafür, dass es in den letzten Jahren gelungen ist, Kinder als zukünftige NutzerInnen bei Planungs- und Gestaltungsmaßnahmen wie zum Beispiel Spielplätzen miteinzubeziehen. Insgesamt ist das Bewusstsein für kinderfreundliche Maßnahmen als Querschnittsaufgabe gestiegen. Kinderbedürfnisse spielen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens zunehmend eine wichtige Rolle: Mobilität, Freizeit, Kultur, Bildung … Aus meiner Sicht brauchen wir jedoch weitere 20 Jahre, damit Kinder als selbstständige und gleichberechtigte PartnerInnen in der Zusammenarbeit gesehen werden.“

Rückfragehinweis:
Elisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez – Mobil: 0676/88011-1016
elisabeth.schaffelhofer@kinderhabenrechte.at - www.kinderhabenrechte.at
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